Es kommt selten vor, dass sich herkömmlich gedruckte Bücher als Einzelstücke entpuppen. Denn normalerweise werden Bücher tausendfach aufgelegt. Nun hat die Liechtensteinische Landesbibliothek in ihrem Aussenmagazin ein Buch entdeckt, das aufgrund seines besonderen Schicksals nur noch einmal auf der Welt vorhanden ist. Eine weitere Besonderheit aus liechtensteinischer Sicht: Der Verfasser des Buches war ein Schwager von Fürst Franz Josef II.

Bei diesem einmaligen Fund handelt es sich um das Buch „Japanische Malerei“ von Artur Graf Strachwitz. Der Titel wurde 1943 im Münchner Bruckmann Verlag verlegt und gedruckt. Der Krieg verhinderte aber die Veröffentlichung. Die gesamte gedruckte Auflage wurde im selben Jahr bei einem Luftangriff auf Leipzig vernichtet, als das Buch gebunden werden sollte. Nach jetzigem Wissensstand hat nur das in der Landesbibliothek befindliche Exemplar überlebt. Möglicherweise war es ein Ansichtsexemplar für den Verfasser, weil nur der Textteil erhalten ist. Die auf der Titelseite erwähnten Illustrationen fehlen im Buch.

Wie hat aber das Buch seinen Weg in den Bestand der Liechtensteinischen Landesbibliothek gefunden? Der Verfasser hatte eine zweifache Beziehung zu Liechtenstein. Er war der Ehemann von Marie-Therese Gräfin Strachwitz, geborene Prinzessin von und zu Liechtenstein, Schwester von Fürst Franz Josef II. Ausserdem war Artur Graf Strachwitz im Verlag von Henry Goverts tätig, der ein Gründungsmitglied des Liechtensteinischen P.E.N.-Clubs war. Der Büchernachlass von Henry Goverts ist heute im Aussenmagazin der Liechtensteinischen Landesbibliothek aufbewahrt. In dieser grossen Sammlung war auch das äusserlich unscheinbare Buch von Artur Graf Strachwitz verborgen. Eine handschriftliche Widmung auf der ersten Seite bestätigt die Schenkung durch den Verfasser an Henry Goverts.

Ein aufmerksamer Mitarbeiter der Landesbibliothek entdeckte im Zuge der Rekatalogisierung des Goverts-Nachlasses, dass es sich beim Buch „Japanische Malerei“ von Artur Graf Strachwitz um ein Unikat handelt. Dieses Unikat wird nun im Kulturgüterschutzraum der Liechtensteinischen Landesbibliothek aufbewahrt.